Kommentierte Neuauflage von “Mein Kampf”?

2015 endet die urhe­ber­rechtliche Schutzfrist von Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Das wollen Münch­ner His­toriker vom Insti­tut für Zeit­geschichte zum Anlass nehmen, um dieses damals wenig gele­sene, aber weit ver­bre­it­ete weltan­schauliche Grund­la­gen­werk des Nation­al­sozial­is­mus in neuer Auflage und mit wis­senschaftlichem Kom­men­tar verse­hen her­auszubrin­gen. Die Rechte liegen seit 1945 beim Bayrischen Finanzmin­is­terium, das einer Neu­veröf­fentlichung dur­chaus kri­tisch gegenüber­steht. In Deutsch­land ist es laut Strafge­set­zbuch § 86 nach wie vor ver­boten, Pro­pa­gan­damit­tel ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen zu ver­bre­iten oder Kennze­ichen der­sel­ben zu ver­wen­den, es sei denn, man tut dies unter ein­deutig wis­senschaftlichen oder doku­men­tarischen Vorze­ichen. Dem würde eine kom­men­tierte Neuau­flage nicht wider­sprechen. Ist der Besitz von „Mein Kampfin Deutsch­land gegen­wär­tig ohne­hin legal, der Erwerb via Inter­net nicht kon­trol­lier­bar, so erscheint eine wis­senschaftlich autorisierte und kom­men­tierte Neuau­flage umso notwendi­ger. Nur so könne undif­feren­zierten Aus­gaben nach 2015 vorge­beugt und eine umfassendere wis­senschaftliche und gesellschaftliche Auseinan­der­set­zung mit diesem Doku­ment garantiert wer­den. Das Buch kön­nte dadurch viel von seiner nicht unbe­den­klichen, bisher eher auf Unken­nt­nis beruhen­den Fasz­i­na­tion ver­lieren, wäre es erst jedem Inter­essierten zugänglich. Der dem Nation­al­sozial­is­mus imma­nente Wahnsinn würde aus erster Hand offen­bar wer­den – und damit ein nicht uner­he­blichen Beitrag zum Ende des Mythos Adolf Hitler geleis­tet. Die derzeit geführte Kon­tro­verse bildet dafür möglicher­weise erst den Auftakt.

07

02 2010

Aufklärung und Todesstrafe

Nur wenige Schlag­wörter sind es let­z­tendlich, die das kollek­tive Gedächt­nis einer Kul­tur bes­tim­men. Ist die Parole der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion Lib­erté, Égal­ité, Fra­ter­nité beinahe jedem ein Begriff, so kann gle­iches auch von der Beze­ich­nung Guil­lo­tine erwartet wer­den. Als Sym­bol massen­hafter Hin­rich­tun­gen im Zuge der rev­o­lu­tionären Umwälzun­gen und des Ter­rors der Jakobin­er­herrschaft in Frankre­ich prägt die Guil­lo­tine bis heute unsere Vorstel­lun­gen von der Todesstrafe. Gle­ichzeitig beginnt mit der Erfind­ung dieser Enthaup­tungs­mas­chine auch die Zeit der schnellen, unspek­takulären Tötung. In dem Bemühen, archais­che und „unehren­hafte“ Hin­rich­tungsmeth­o­den zu überwinden, ersann man die Tötung mit­tels einer „ein­fachen mech­a­nis­chen Vor­rich­tung“ – der Guil­lo­tine.  Lässt man die Neuzeit und ihre Mod­ernisierungs– und Ratio­nal­isierung­sprozesse vol­lends mit der Franzö­sis­chen Rev­o­lu­tion begin­nen, so lassen sich selbst in dieser Form der Todesstrafe Aspekte aufgek­lärten Denkens finden. Dem geht der Artikel “Repub­lik und Ter­ror — Ein eis­erner Wind­hauch” von Jan Puhl nach, wenn er dem Henker San­son den aufgek­lärten Medi­ziner und Poli­tiker Joseph-Ignace Guil­lotin zur Seite stellt. Gemein­sam erar­beiten sie ein „humanes, schmerzfreies“ Ver­fahren der Hinrichtung.

07

02 2010

Seriöse Information hat Zukunft

Lit­ten und ver­schwan­den im let­zten Jahr zahlre­iche Zeitun­gen und Zeitschriften in Folge der Weltwirtschaft­skrise, so verze­ich­nete beispiel­sweise die britis­che Wochen­zeitschrift The Econ­o­mist im let­zten Jahr wider­erwartend einen his­torischen Gewinn. Der Jour­nal­ist, Grün­der der Design– und Zeit­geist­magazine Wall­pa­per und Mon­o­cle und Merian-Kolumnist Tyler Brûlé äußert sich in diesem ZEIT-Interview vom 7. Jan­uar 2010 dazu und ver­mutet in dieser Tat­sache eine “Flucht in die Real­ität”. Seiner Ein­schätzung nach sehne sich das Leser– und Zuschauer­pub­likum angesichts des unüber­sichtlich gewor­de­nen Welt­geschehens im Schat­ten von Glob­al­isierung und Wirtschaft­skrise nach “…ser­iöser und solid­erer Berichter­stat­tung, die […] Fak­ten bringt, keine Speku­la­tio­nen.” Dig­i­tale soziale Net­zw­erke wie  Blogs, Twit­ter und Face­book seien bere­its jetzt ver­al­tet und wür­den in ihrer Bre­it­en­wirkung überschätzt, da sie dieser Anforderung nicht entsprechen könnten.

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01 2010

Wissenschaftliche Publikation und Digitale Bibliothek

Im Anschluss an die Jahresta­gung der Gesellschaft für Wis­senschafts­forschung im März 2007 ent­stand in Zusam­me­nar­beit mit dem Insti­tut für Bib­lio­theks– und Infor­ma­tion­swis­senschaft der Humboldt-Universität zu Berlin ein Sam­mel­band, der angesichts der zunehmenden  Bedeu­tung des Inter­nets für die Bere­it­stel­lung und Ver­bre­itung von wis­senschaftlichen Doku­menten und Pub­lika­tio­nen die Frage nach der Qual­itätssicherung und der Integrität dieser Veröf­fentlichun­gen stellt. Unter der Überschrift „Integrität wis­senschaftlicher Pub­lika­tio­nen in der Dig­i­talen Bib­lio­thek“ ver­sam­meln die Her­aus­ge­ber Frank Have­mann, Hein­rich Parthey und Walther Umstät­ter Beiträge zu the­o­retis­chen und prak­tis­chen Prob­le­men „…der neuen Kul­tur des elek­tro­n­is­chen Pub­lizierens in der Wis­senschaft…“ Dieser überaus reich­haltige und mit einem umfan­gre­ichen Lit­er­aturverze­ich­nis verse­hene Sam­mel­band, der überdies kosten­los im pdf.-Format über das Inter­net zu bekom­men ist, bietet einen fundierten Überblick zur immer noch andauern­den Diskus­sion über Wis­sensver­mit­tlung und Wis­senspro­duk­tion im elek­tro­n­is­chen Zeitalter.

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01 2010

Open Access im Wandel

Ehrhardt F. Heinold, Unternehmens­ber­ater aus Ham­burg,  zieht in seinem Artikel eine Bilanz der 5. APE-Tagung 2010 in Berlin. Im Zen­trum der Diskus­sion des Dialog­fo­rums APE (Acad­e­mic Publish­ing in Europe) stand seit 2006 der kosten­freie Zugriff auf wis­senschaftliche Pub­lika­tio­nen. Heute, so resümiert der Autor, scheint sich Open Access als Pub­lika­tions­form weit­ge­hend in Wis­senschaft, Bib­lio­theken, Poli­tik und Ver­lagswe­sen etabliert zu haben. Man sieht sich nun zunehmend kom­plexer wer­den­den Pub­lika­tion­san­forderun­gen gegenüber.


28

01 2010

Peer-Review-Verfahren in der Diskussion

Ulrich Herb, seines Zeichens Ref­er­ent für elek­tro­n­is­ches Pub­lizieren, elek­tro­n­is­che Archive und Open Access in Saar­brücken, disku­tiert in seinem Artikel “Alte Hüte und neue Konzepte” das Peer-Review-Verfahren als gängige Begutach­tungs­form von Open-Access-Journalen zum Zwecke der Qual­itätssicherung. Dem damit ver­bun­de­nen Anspruch auf wis­senschaftliche Trans­parenz, max­i­male Ver­bre­itung von Inhal­ten und Steigerung der Zita­tion­shäu­figkeit, stellt Herb das ver­stärkte Auftreten von Manip­u­la­tion, Fälschung und Pla­giat gegenüber. Abhilfe kann hier nur eine Qual­itätsmes­sung ex-post schaffen.

28

01 2010

Philipp Bludovsky: Legitimation versus Geheimhaltung

Philipp Blu­dovsky: Legit­i­ma­tion ver­sus Geheimhal­tung. Die ambiva­lente Rolle der Todesstrafe in der DDR. In: AEON 2 (2010). S. 25–35.

Die Anwen­dung der Todesstrafe in der DDR ist durch eine zunehmende Ambivalenz von Legit­i­ma­tion und Geheimhal­tung gekennze­ich­net. Ein­er­seits wurde die Beibehal­tung der Todesstrafe für zwin­gend notwendig gehal­ten, ander­er­seits waren zunächst bes­timmte, später sämtliche Todesurteile einer stren­gen Geheimhal­tung unter­wor­fen. Die Rekon­struk­tion der genauen Abläufe der in Leipzig von 1960 bis 1981 durchge­führten Hin­rich­tun­gen steht im Zen­trum einer vom Autor durchge­führten Studie (Mag­is­ter­ar­beit), auf der dieser Beitrag basiert. Die fol­gende Arbeit nähert sich essay­is­tisch der Rolle der Todesstrafe in der DDR und den Grün­den zunehmender Geheimhal­tung, die schließlich in der Abschaf­fung 1987 mün­de­ten. Dabei wird das direkte Ver­hält­nis zwis­chen zunehmender Geheimhal­tung und abnehmender Legit­i­ma­tions­ba­sis aufgezeigt.

Zita­tionsvorschlag: Philipp Blu­dovsky: Legit­i­ma­tion ver­sus Geheimhal­tung. Die ambiva­lente Rolle der Todesstrafe in der DDR. In: AEON – Forum für junge Geschichtswis­senschaft 2 (2010). S. 25–35.
Online: http://wissens-werk.de/index.php/aeon/article/viewFile/22/pdf_5

24

01 2010

BILD.blog räumt mit hartnäckigem Gerücht auf

Die BILD-Zeitung genießt in der deutschen Medi­en­land­schaft den Ruf eines poli­tisch stand­punk­t­losen, rein auf Profit aus­gerichteten Gen­er­alanzeigers. Dem ist grund­sät­zlich nicht beson­ders viel hinzuzufü­gen. Ganz in diesem Sinne hielt sich über Jahrzehnte das Gerücht, dass BILD einen nicht unmaßge­blichen Anteil am Atten­tat auf Rudi Dutschke am 11. April 1968 gehabt habe. Diesem Vor­wurf ging und geht das Gerücht voraus, BILD habe an eben jenem Tag von Dutschke als “Staats­feind Nr. 1″ geschrieben. Dem muss nach einer Recherche des Online-Watchblogs BILD.blog nun — ein­mal abge­se­hen von der tat­säch­lichen “Hetzjagt-Polemik” gegen die 68er-Bewegung und gegen Rudi Duschke — wider­sprochen werden.

22

01 2010

Cyperscience und Microblogging

Microblogging-Diensten wie beispiel­sweise Twit­ter genießen im all­ge­meinen den zweifel­haften Ruf eines Zeit­fressers und ver­sprühen den Charme einer virtuellen Kaf­feeküchen­tratschrunde. Für wis­senschaftliche Kom­mu­nika­tion im Inter­net (Cyper­science) sind sie somit ungeeignet. Michael Nen­twich vom Insti­tut für Technikfolgen-Abschätzung (ITA) der Öster­re­ichis­chen Akademie der Wis­senschaften zog diese Pauschal­isierung in Zweifel, veröf­fentlichte eine Studie zum Ver­hält­nis des Web. 2.0  zur Wis­senschaft und disku­tiert in einem Inter­view mit ORF.at den sin­nvollen Ein­satz von Microblogging-Systemen für die Ver­net­zung von Forschern.

21

01 2010

Zeittaucher: Ein Neues Blog zur Zeitgeschichte

Geschichtsin­ter­essierte mit zei­this­torischem Fokus wer­den sich freuen, denn es gibt für sie eine außeror­dentliche Fund­grube im Netz:

Zeit­taucher ist ein Blog mit aktuellen The­men zur Zeit­geschichte / his­torischen Gegen­wart und wird von Dr. Chris­t­ian Jung (Uni­ver­sität Hei­del­berg) her­aus­gegeben. Die Zeit­geschichte als „Epoche der Mitleben­den“ hat für ihn die Funk­tion, die erlebten Ver­strick­un­gen des men­schlichen Lebens und ihre geschichtlichen Auswirkun­gen zu beschreiben.

Ein­fach mal rein­schauen und stöbern. Es lohnt sich auf jeden Fall. (Übrigens: AEON stellt sich auf Zeit­taucher heute mit dem Beitrag „Nach­wuchs macht Geschichte“ vor…)

Zu Zeit­taucher hier entlang…

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01 2010