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Matthias Kaufmann: Lücken im „Zaun der Zivilisation“.

Matthias Kauf­mann: Lücken im „Zaun der Zivil­i­sa­tion“. Der Begriff des Kan­ni­bal­is­mus und die Insta­bil­ität in der Kon­struk­tion kul­tureller Gren­zen In: AEON 2 (2010). S. 8–24

Das Bild vom wilden Kan­ni­balen bes­timmt die Reise­berichte und Weltbeschrei­bun­gen nicht erst seit Christoph Colum­bus oder James Cook. Das Motiv des archais­chen Men­schen­fressers findet sich bere­its mit dem Polyphem des Homer in der griechis­chen Antike. Dabei ist auf­fäl­lig, dass die Anthro­pophagie – der Verzehr von Men­schen­fleisch durch Men­schen – seit der Antike nicht nur dazu dient, kul­turelle Ander­sar­tigkeit zu markieren, son­dern sie auch zu stig­ma­tisieren. Im ersten Teil seines Beitrags stellt der Ver­fasser die Kon­struk­tion des früh­neuzeitlichen Kan­ni­bal­is­mus­bildes in Europa dar und verdeut­licht, wie dieses genutzt wurde, um die moralis­che Überlegen­heit der eige­nen Zivil­i­sa­tion gegenüber einer anderen Kul­tur zu behaupten. In einem zweiten Teil wird danach die Anthro­pophagie mit der früh­neuzeitlich europäis­chen Heilkunde und dem dort etablierten phar­mazeutis­chen Verzehr von Fett, Blut und Mumia in Beziehung gesetzt, wobei deut­lich wird, dass Kan­ni­bal­is­mus keine Frage zivil­isatorischer Stufen ist.

  • Link zum Beitrag von Matthias Kauf­mann: Lücken im „Zaun der Zivilisation“.
  • Zita­tionsvorschlag: Matthias Kauf­mann: Lücken im „Zaun der Zivil­i­sa­tion“. Der Begriff des Kan­ni­bal­is­mus und die Insta­bil­ität in der Kon­struk­tion kul­tureller Gren­zen. In: AEON – Forum für junge Geschichtswis­senschaft 2 (2010). S. 8–24.
    Online: http://wissens-werk.de/index.php/aeon/article/view/16/pdf_4

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01 2010