Posts Tagged ‘Zeitgeschichte’

Belter Dialoge

Ich habe mich ille­gal betätigt, weil ich unzufrieden war mit der Sit­u­a­tion an der Leipziger Uni­ver­sität. Wir hat­ten keine Gewis­sens­frei­heit, keine Rede­frei­heit und keine Presse­frei­heit. (Her­bert Bel­ter während seines Prozesses)

Daß Ungeist sel­ten halt macht vor Ver­stand, ist – ger­ade mit Blick auf die Entwick­lung der deutschen Uni­ver­sitäten im 20. Jahrhun­dert – ein sicher berechtigter Gemein­platz der Geschichte. Auch die Leipziger Uni­ver­sität bildet hier keine Aus­nahme. Nicht nur, weil sie bere­its im aus­ge­hen­den 19. Jahrhun­dert als eine der „End­sta­tio­nen“ neben Berlin und München eine führende Rolle in der deutschen Uni­ver­sität­s­land­schaft ver­sieht, son­dern auch, da für sie qua geo­graphis­cher Lage das dun­kle 20. Jahrhun­dert erst 1989 endet.

Dabei wurde ger­ade im Osten Deutsch­lands der Ungeist nach 1945 in Anbe­tra­cht der vorher geschehenen Greuel weniger stark – und wenn, dann eher von „außen“ oder „drüben“ – fokussiert. Womit nicht gesagt sein soll, daß in der zei­this­torischen Forschung zur ost­deutschen Uni­ver­sitäts­geschichte inzwis­chen nichts passiert sei. Es hätte nur ein­wenig mehr sein dür­fen. Read the rest of this entry →

08

03 2010

Docupedia-Zeitgeschichte ist “on”

Geschichtswis­senschaft darf nicht sta­tisch sein. Erst recht nicht, wenn sie die Geschichte der Miter­leben­den und des Mitlebens beschreibt und analysiert. Genau in diese Lücke stößt das DFG-geförderte Koop­er­a­tionspro­jekt Docupedia-Zeitgeschichte des Zen­trums für Zei­this­torische Forschung Pots­dam mit dem Insti­tut für Geschichtswis­senschaften und dem Com­puter– und Medi­enser­vice der Humboldt-Universität zu Berlin. Read the rest of this entry →

12

02 2010

20 Jahre Selbstbestimmung…

Daß die Geschichte der Deutschen Ein­heit auch eine Geschichte der zurück­ge­won­nen Selb­st­bes­tim­mung ist, steht wohl außer Frage. Weitaus inter­es­san­ter scheint, wie es zu dieser Rück­gewin­nung gekom­men ist. Im 20. Jahr der Deutschen Ein­heit gibt es daher weniger Kon­tro­verse um das „Ist“, son­dern vielmehr um das „Kön­nte“. Im FAZ-Artikel „Das Ja zur deutschen Selb­st­bes­tim­mung“ skizziert Rainer Bla­sius lesenswert das Tauziehen zwis­chen Hans Mod­row und Hel­mut Kohl, die Ambivalenz der Rolle des Schiedrichters Gor­batschow und den Tag X, an dem der Kreml den Ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat auf deutschem Boden aufgeben sollte.

10

02 2010

Kommentierte Neuauflage von “Mein Kampf”?

2015 endet die urhe­ber­rechtliche Schutzfrist von Adolf Hitlers „Mein Kampf“. Das wollen Münch­ner His­toriker vom Insti­tut für Zeit­geschichte zum Anlass nehmen, um dieses damals wenig gele­sene, aber weit ver­bre­it­ete weltan­schauliche Grund­la­gen­werk des Nation­al­sozial­is­mus in neuer Auflage und mit wis­senschaftlichem Kom­men­tar verse­hen her­auszubrin­gen. Die Rechte liegen seit 1945 beim Bayrischen Finanzmin­is­terium, das einer Neu­veröf­fentlichung dur­chaus kri­tisch gegenüber­steht. In Deutsch­land ist es laut Strafge­set­zbuch § 86 nach wie vor ver­boten, Pro­pa­gan­damit­tel ver­fas­sungswidriger Organ­i­sa­tio­nen zu ver­bre­iten oder Kennze­ichen der­sel­ben zu ver­wen­den, es sei denn, man tut dies unter ein­deutig wis­senschaftlichen oder doku­men­tarischen Vorze­ichen. Dem würde eine kom­men­tierte Neuau­flage nicht wider­sprechen. Ist der Besitz von „Mein Kampfin Deutsch­land gegen­wär­tig ohne­hin legal, der Erwerb via Inter­net nicht kon­trol­lier­bar, so erscheint eine wis­senschaftlich autorisierte und kom­men­tierte Neuau­flage umso notwendi­ger. Nur so könne undif­feren­zierten Aus­gaben nach 2015 vorge­beugt und eine umfassendere wis­senschaftliche und gesellschaftliche Auseinan­der­set­zung mit diesem Doku­ment garantiert wer­den. Das Buch kön­nte dadurch viel von seiner nicht unbe­den­klichen, bisher eher auf Unken­nt­nis beruhen­den Fasz­i­na­tion ver­lieren, wäre es erst jedem Inter­essierten zugänglich. Der dem Nation­al­sozial­is­mus imma­nente Wahnsinn würde aus erster Hand offen­bar wer­den – und damit ein nicht uner­he­blichen Beitrag zum Ende des Mythos Adolf Hitler geleis­tet. Die derzeit geführte Kon­tro­verse bildet dafür möglicher­weise erst den Auftakt.

07

02 2010

Philipp Bludovsky: Legitimation versus Geheimhaltung

Philipp Blu­dovsky: Legit­i­ma­tion ver­sus Geheimhal­tung. Die ambiva­lente Rolle der Todesstrafe in der DDR. In: AEON 2 (2010). S. 25–35.

Die Anwen­dung der Todesstrafe in der DDR ist durch eine zunehmende Ambivalenz von Legit­i­ma­tion und Geheimhal­tung gekennze­ich­net. Ein­er­seits wurde die Beibehal­tung der Todesstrafe für zwin­gend notwendig gehal­ten, ander­er­seits waren zunächst bes­timmte, später sämtliche Todesurteile einer stren­gen Geheimhal­tung unter­wor­fen. Die Rekon­struk­tion der genauen Abläufe der in Leipzig von 1960 bis 1981 durchge­führten Hin­rich­tun­gen steht im Zen­trum einer vom Autor durchge­führten Studie (Mag­is­ter­ar­beit), auf der dieser Beitrag basiert. Die fol­gende Arbeit nähert sich essay­is­tisch der Rolle der Todesstrafe in der DDR und den Grün­den zunehmender Geheimhal­tung, die schließlich in der Abschaf­fung 1987 mün­de­ten. Dabei wird das direkte Ver­hält­nis zwis­chen zunehmender Geheimhal­tung und abnehmender Legit­i­ma­tions­ba­sis aufgezeigt.

Zita­tionsvorschlag: Philipp Blu­dovsky: Legit­i­ma­tion ver­sus Geheimhal­tung. Die ambiva­lente Rolle der Todesstrafe in der DDR. In: AEON – Forum für junge Geschichtswis­senschaft 2 (2010). S. 25–35.
Online: http://wissens-werk.de/index.php/aeon/article/viewFile/22/pdf_5

24

01 2010

Zeittaucher: Ein Neues Blog zur Zeitgeschichte

Geschichtsin­ter­essierte mit zei­this­torischem Fokus wer­den sich freuen, denn es gibt für sie eine außeror­dentliche Fund­grube im Netz:

Zeit­taucher ist ein Blog mit aktuellen The­men zur Zeit­geschichte / his­torischen Gegen­wart und wird von Dr. Chris­t­ian Jung (Uni­ver­sität Hei­del­berg) her­aus­gegeben. Die Zeit­geschichte als „Epoche der Mitleben­den“ hat für ihn die Funk­tion, die erlebten Ver­strick­un­gen des men­schlichen Lebens und ihre geschichtlichen Auswirkun­gen zu beschreiben.

Ein­fach mal rein­schauen und stöbern. Es lohnt sich auf jeden Fall. (Übrigens: AEON stellt sich auf Zeit­taucher heute mit dem Beitrag „Nach­wuchs macht Geschichte“ vor…)

Zu Zeit­taucher hier entlang…

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01 2010